30 Jahre Wissen, Empathie und Engagement: Interview mit Frau Ulrike Weber

MAKS-Therapie®-Dozentin Frau Ulrike Weber, Gründerin der ersten ambulanten MAKS®-Gruppe

 

Hallo, Frau Weber. Sie sind seit 2018 MAKS®-Dozentin. Stellen Sie sich doch gerne kurz vor.

 

Vor fast 30 Jahren begann meine berufliche Reise in der Arbeit mit Menschen mit Demenz.
Damals war vieles noch ganz anders:
Den Begriff „soziale Betreuung“ gab es in dieser Form noch nicht. Ich war die erste selbstständige Altersbegleiterin in Schleswig-Holstein und durfte parallel auf Honorarbasis praktische Erfahrungen in einer Senioreneinrichtung sammeln. Die damalige „Freizeitbetreuung für Senioren“ wurde für mich schnell zu einer Herzensaufgabe.
Ein besonderes Schlüsselerlebnis hatte ich in einem Buchladen: dort entdeckte ich das erste MAKS®-Aktivierungsbuch.
Beim Lesen stellte ich überrascht fest, was ich in meiner eigenen Arbeit intuitiv entwickelt und umgesetzt hatte, spiegelte sich im MAKS®-Konzept wieder. Es fühlte sich an wie ein Wiedererkennen:
Das passt zu mir – und zu meiner Haltung in der Begleitung von Menschen mit Demenz. Als Seniorentherapeutin und Demenzfachkraft durfte ich nach meiner MAKS®-Therapeutenschulung Teil des ersten Dozentinnen-Kreises werden, der von Prof. Dr. Elmar Gräßel geschult wurde.
Bei den Anfängen dieser Entwicklung dabei gewesen sein zu dürfen, ist für mich bis heute etwas ganz Besonderes – und darauf bin ich nach wie vor sehr stolz.
Doch damit ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende.
Zwei Jahre später bekam ich die spannende Möglichkeit, in einer Tagespflege, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ich zuvor vollständig geschult hatte, an der Entwicklung des Online-Formats der MAKS®-Therapeutenschulung mitzuwirken. Gemeinsam mit dem Team der Tagepflege und einem professionellen Kamerateam wurden die einzelnen Module vor der Kamera umgesetzt.
Was für ein Erlebnis – und was für ein Spaß!
Gleichzeitig war es eine wichtige Aufgabe: Wir wollten zeigen, dass gute, fachlich fundierte Praxis auch online erlebbar und vermittelbar sein kann. So konnten wir einen wichtigen Grundstein dafür legen, die praktische Seite des MAKS®-Konzeptes auch digital sichtbar zu machen.
Wenn ich heute auf diese fast 30 Jahre zurückblicke, sehe ich nicht nur eine berufliche Entwicklung, sondern eine spannende Reise, die von Begegnungen, Erfahrungen, Neugier und ganz viel Herzblut geprägt ist.
Menschen mit Demenz zu begleiten, Ressourcen zu entdecken und so Teilhabe zu ermöglichen, ist für mich bis heute mehr als ein Beruf – es ist eine Aufgabe, die mich begeistert, erfüllt und die mir am Herzen liegt.

 

Was hat Sie dazu bewegt, einen Leitfaden für ambulante MAKS®-Gruppen mit zu entwickeln?

 

Seit 2018 begleite mich MAKS® nicht nur als Dozentin, sondern vor allem in der praktischen Arbeit mit Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Demenz. In dieser Zeit durfte ich wertvolle Erfahrungen in unterschiedlichen Versorgungsbereichen sammeln – sowohl im stationären als auch im teilstationären Bereich, unter anderem in meiner Tätigkeit als Leitung einer Tagespflege. Gleichzeitig habe ich auf selbstständiger Basis ambulante MAKS®-Gruppen aufgebaut und durchgeführt. Und hatte die erste zertifizierte ambulante MAKS®-Gruppe deutschlandweit.
Mein ambulantes Angebot richtet sich an Menschen, die mit kognitiven Beeinträchtigungen oder einer leichten bis hin zu einer mittelschweren Demenz in ihrer eigenen Häuslichkeit leben. Einmal wöchentlich oder häufiger kommen die Menschen für zwei Stunden in einen geeigneten Gruppenraum, um gemeinsam mit anderen an einer MAKS®-Therapie teilzunehmen. Dabei erlebe ich immer wieder, wie wertvoll ein solches Angebot für die Teilnehmenden und ihre Angehörigen sein kann.
Aus diesen Erfahrungen heraus ist eine große Vision entstanden.
Ich möchte MAKS® auf allen erdenklichen Ebenen lebendig werden lassen und das Konzept deutschlandweit noch bekannter und zugänglicher machen.
Mein Wunsch ist, dass möglichst viele Menschen wissen:
Es gibt Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden, Ressourcen zu erhalten und den Verlauf einer Demenzerkrankung positiv zu beeinflussen. Gleichzeitig möchte ich Fachkräften wie Alltagsbegleiter, Ergo- und Physiotherapeuten Mut machen, MAKS® kennenzulernen und nach entsprechender Schulung selbst anzubieten.
Mein Wissen und meine praktischen Erfahrungen gebe ich deshalb mit großer Freude weiter. Auch an der Entwicklung des Leitfadens „Aufbau einer ambulanten MAKS®-Gruppe“ durfte ich mitwirken – ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, weil es zeigt, wie aus Erfahrung konkrete Unterstützung für andere entstehen kann.
Was für eine wertvolle Erfahrung und Freude mit Prof. Dr. Elmar Gräßel und dem Team von ClarCert gemeinsam daran zu arbeiten.
MAKS® ist für mich weit mehr als ein Konzept. Es ist eine Möglichkeit, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zu stärken, Teilhabe zu ermöglichen und ihnen Räume zu schaffen, in denen sei aktiv, selbstwirksam und mit Freude und Spaß dabei sein können.
Und genau dafür möchte ich mich einsetzen, damit MAKS® lebendig bleibt, weitergetragen wird und möglichst viele Menschen erreicht.

 

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an MAKS® ambulant?

 

Die psychosoziale MAKS®-Therapie ist für mich ein besonders wertvolles Präventions- und Unterstützungsangebot, das sich flexibel in den Alltag integrieren lässt und wohnortnah umgesetzt werden kann.
Einmal wöchentlich zwei Stunden gemeinsam aktiv sein – abwechslungsreich, ganzheitlich und mit viel Freude. MAKS® verbindet unterschiedliche Elemente der Aktivierung und schafft dabei Raum für persönliche Erfolgserlebnisse, soziale Begegnung und gemeinsames Erleben. Die Wirksamkeit des Konzeptes wurde in wissenschaftlichen Studien untersucht und nachgewiesen.
Für mich ist besonders wertvoll, dass MAKS® auf auf Aktivierung und Teilhabe setzt– ganz ohne Medikamente und damit ohne medikamentenbedingte Nebenwirkungen!
Es geht darum, vorhandene Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten, Selbstständigkeit zu stärken, der Vergesslichkeit aktiv zu begegnen und den Verlauf einer Demenzerkrankung positiv zu beeinflussen. Gleichzeitig erleben die Teilnehmenden Gemeinschaft, Wertschätzung und die Freude daran, selbst etwas bewirken und sich für ihren Alltag stabilisieren zu können.
Die Finanzierung dieses ambulanten Angebotes kann auf Selbstzahlerbasis, oder bei bestehendem Pflegegrad über die Pflegekasse erfolgen.
Und was könnte motivierender sein, als ein Konzept, das für seine besondere Bedeutung sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde?
Deshalb ist MAKS®-ambulant ist für mich nicht einfach ein Beschäftigungsangebot, sondern eine Möglichkeit, aktiv etwas für sich zu tun, gemeinsam mit Menschen vor Ort und mit Freude am Leben!